Interview

Im Gespräch: Tür- & Torexperten

„Ausstattung & Optik werden immer anspruchsvoller.“

Teckentrup mit Zentrale in Verl ist ein marktführender Anbieter von Türen und Toren. Während einer Roadshow mit Fachpartnern im Showroom Schüco One in Bielefeld konnte die Redaktion metallbau mit Vertriebsleitern aus dem Bereich Tür und Tor sowie Servicetechnik sprechen. Daniel Pischke, Vertriebsbeauftragter für Verarbeiter, ist mit Metall-/Torbauern im Kontakt. Alexander Bauer, führt im Innendienst die Verkaufsleitung für den Bereich Service; Marc Wellerdiek leitet den Außendienst für den Service. Das Interview gibt einen umfassenden Einblick in den Tür- und Tormarkt.

metallbau: Herr Pischke, Sie betreuen in Ihrer Region ca. 60 Metall-/Torbaubetriebe. Welche Rückmeldung geben Ihnen diese Unternehmen zum aktuellen Markt?

Daniel Pischke: Die private Baubranche war in den vergangenen zwei Jahren rückläufig und erholt sich aktuell. Wer sich auf dieses Segment ausgerichtet hatte, hat massive Umsatzeinbrüche hinnehmen müssen. Der Absatz von Garagentoren ist in dieser Zeit im Gesamtmarkt um ca. 20 Prozent gesunken.Das merken vor allem Betriebe, die  ausschließlich im privaten Sektor Garagentore und Fenster montiert haben. Unternehmen, die Aufträge für die öffentliche Hand ausführen, geht es besser. In diesem Bereich gab es Fachpartner, die in den vergangenen Jahren ihren Umsatz verdoppelt haben. Insgesamt ist der Rücklauf hier geringer ausgefallen und auch dieser Markt stabilisiert sich. Viele Verarbeiter aus dem Privatsektor sind wegen dieser Marktveränderungen auf öffentliche Aufträge umgeswitcht.  Die Umstellung ist schwierig,  gelingt aber meistens. Fusionen unter den Montagebetrieben gibt es eher nicht.

metallbau: Wie entwickelt sich das Sanierungssegment im Torbau? Unter welchen Voraussetzungen können Metallbauer in diesem Markt erfolgreich sein?

Pischke: Der Neubau, ob nun Mehrfamilienhaus oder Einfamilienhaus, ist komplett weggebrochen. Für sogenannte Allesanbieter funktioniert das Sanierungssegment. Solche Torbauer übernehmen allerdings alle anfallenden Arbeiten – also auch Malerarbeiten oder Tätigkeiten, die das Mauerwerk betreffen.

metallbau: Was bedeutet der Rücklauf für Teckentrup?

Pischke: Garagentore sind ein Standbein für uns, aber wir sind mit Türen und dem Brandschutz großgeworden und dieser Markt ist stabiler. Die Anforderungen an die Sicherheitsausstattungen von Objekttüren haben sich erhöht – unabhängig ob Neubau oder Sanierungsprojekt. Brandschutztüren sind ein wichtiges Produkt und die Bauordnungen und Ausschreibungen verlangen immer häufiger eine Ausstattung mit Feuer- oder/und Einbruchschutz.

 

metallbau: Wie hoch ist der Anteil an Brandschutztüren?

Pischke: Mehr als die Hälfte der Türen sind mit Brandschutzfunktion ausgestattet, Tendenz wachsend. Inzwischen werden auch viele Außentüren mit  Feuerschutz gefordert.


metallbau: Welche Features werden von den Kunden für Türen serienmäßig gefordert?

Pischke: Bei Türen sind eine RS-Ausstattung, eine absenkbare Bodendichtung sowie ein Obertürenschließer (OTS) Standard. Letzterer hat den Einsatz von Federbändern inzwischen vollständig ersetzt. Bei der Einbruchhemmung liefern wir oftmals RC2 und dann je nach Sicherheitsanforderung bis RC4. Zur Überwachung und Zugangskontrolle werden in der Regel Magnet- bzw. Riegelkontakte eingesetzt. Im Objektbereich und bei Gebäuden mit Publikumsverkehr werden heute fast ausschließlich Edelstahlbeschläge verwendet. Die Standardausstattung ist in den vergangenen Jahren merklich hochwertiger geworden.

 

metallbau: Zeichnet sich für das Rolltor eine ähnliche Entwicklung ab?

Pischke: Im Mai führen wir Rolltore in RC2 und RC3 in den Markt ein, das hat vor allem versicherungstechnische Gründe. Ein weiterer wichtiger Faktor bei diesem Tortyp ist die Geschwindigkeit – unser Speedrolltor ist 1,5 m/sec. schnell, weiterer Vorteil ist das platzsparende Öffnen des Tores; ansonsten ist dieser Tortyp sehr ausgereift. Bei den Farben geht der Trend hin zum dunklen Ton.

 

metallbau: Herr Bauer, eine Frage zum Bereich Servicetechnik: Wie häufig übernimmt der Montagebetrieb die Wartungen und wie oft wird das an Teckentrup abgetreten? Wie hat sich das Angebot entwickelt, dass Sie Ihren Verarbeitern die Servicetechnik bei Bedarf abnehmen? 

Alexander Bauer: Wir unterstützen beinahe täglich unsere Kunden bei Serviceanfragen oder Einsätzen in Deutschland, zu 97 Prozent werden diese Anfragen von unseren bundesweit über 100 Partnerunternehmen geleistet. Die regionale Organisation reduziert die Anfahrtskosten für unsere Kunden. Teckentrup beschäftigt 15 Werksmonteure, dabei geht es vor allem darum, dass wir über Fachkräfte verfügen, die alle nötigen Zertifikate und Weiterbildungen für unsere Produkte nachweisen können. Diese unterstützen mit ihrem Knowhow und ihrer Expertise unsere Partner bei besonderen Bausituationen jenseits des Standards.


metallbau: Teckentrup hat das Segment Servicetechnik doch in den vergangenen Jahren forciert?!

Bauer: Ja, der Service ist erfolgreich ausgebaut worden, wir bieten aktuell sechs verschiedene Pakete an, die unsere Kunden je nach Anforderung zubuchen können. Hinzu kommen noch Reparaturen und Inbetriebnahmen, bei denen wir die Fachkompetenz unserer Kunden unterstützen. Teckentrup bietet nahezu alle Serviceleistungen in einem bundesweiten Netz mit zertifizierten Fachpartnern an. Diese Struktur unterstützt sowohl das Handwerk als auch die Endkunden.


metallbau: Wie hat sich der Bereich Servicetechnik in den vergangenen zwei Jahren entwickelt?

Bauer: Wir sind jedes Jahr konstant gewachsen – rein mit Dienstleistungen. Und das obwohl wir nur Unterstützung zur Montage leisten, keine kompletten Montageaufträge übernehmen. Unser Service-Angebot entlastet und unterstützt unsere Fachpartner ganz gezielt. Sei es mit unseren passgenauen Service-Paketen vom Aufmaß, über die technische Beratung bis hin zur Montageunterstützung, über unsere Liefer- und Vertrage-Services, Schulungsangebote, bis hin zu Wartungsverträgen. Die Qualität und Leistung wissen unsere Kunden zu schätzen und nehmen diese sehr gut an. Diese Prozesse haben wir immer weiter digitalisiert, sodass unsere Serviceleistungen mittlerweile auch über unsere digitale Kundenplattform TEO bei Aufträgen direkt mit gebucht werden können. TEO ist unsere zentrale Online-Kundenplattform und für registrierte Partnerbetriebe verfügbar.


metallbau: Herr, Pischke, welche Rolle spielt Plug & Play bei der Installation von Torantrieben und Steuerungen?

Pischke: Bei Garagentoren im Privatsegment ist der Antrieb mit dem Handsender verheiratet, wenn der Antriebskopf angeschlossen wird, liest sich dieser automatisch – Plug & Play – ein. In 15 bis 30 Minuten sollte sich das Garagentor selbst eingestellt haben und via Steuerung und Fernbedienung zu öffnen und zu schließen sein. Bei Industrietoren ist das ein bisschen anders, weil dort bei Inbetriebnahme der Steuerung in Sicherheitseinrichtungen eingegriffen wird. Der Monteur sollte deshalb ein Fach- und Sachkundiger für kraftbetätigte Tore sein. Entsprechende Schulungen können selbstverständlich bei uns absolviert werden.


metallbau: Es gibt doch sicher inzwischen Erleichertungen im Bereich der Industrietore?

Bauer: Bei einem „normalen“ Industriesektionaltor mit einer Standardausstattung Antrieb, Lichtschranke und Sicherheitskontaktleiste wird einiges mithilfe von Plug & Play in Gang gesetzt. Wenn das Tor aber mit besonderen Sicherheitseinrichtungen und besonderen Funksystemen ausgestattet ist, dann muss es einprogrammiert werden. Zudem haben Kunden hin und wieder spezielle Wünsche an die Programmierung, das kann nur vom Monteur vor Ort eingerichtet werden.

metallbau: Gibt es Tore, die ein Monteur alleine einbauen kann?

Bauer: Unser Easy Rolltor kann ein Monteur bis zu einer bestimmten Höhe alleine einbauen. Die Höhenmaße, mit denen dies erlaubt ist, geben die Vorschriften für Arbeitssicherheit vor. Allerdings ist klar: Nur mit Manneskraft funktioniert es dennoch nicht, weil der Industrietorpanzer hochgehoben werden muss. Dafür benötigt der Monteur sicherlich ein Hilfsmittel. Am Ende bleibt die Frage offen, ob eine Einmannmontage kostengünstiger ist, als wenn zwei Monteure beim Einbau anpacken.

metallbau: Welche Bedeutung hat heute die Fernwartung, Herr Bauer – was geht und was nicht?

Bauer: Bei einzelnen Produkten wie Drehflügelantrieben oder Industrietorantrieben ist heute schon eine Teilwartung als Fernwartung möglich, allerdings sind spezielle WLAN-Anbindungen notwendig. Der größte Teil einer Wartung ist jedoch mechanisch und mit dem Einsatz von Monteuren vor Ort verbunden. Wenn beispielsweise Bänder gefettet oder Federn nachgespannt werden müssen, auch die vorgeschriebenen Kraftmessungen bei Toren ist nur vor Ort möglich.

metallbau: Sorgt eine zunehmende, nachhaltige Haltung dafür, dass Tür- und Torelemente häufiger repariert werden, Herr Wellerdiek?

Marc Wellerdiek: Leider zeigt sich dies nur vereinzelt, oft werden Türen und Tore noch unzureichend gewartet oder notwendige Instandsetzungen verschoben. Das führt dazu, dass mehr Reparaturen und oft der Austausch der ganzen Anlage nötig werden. Grundsätzlich verlängert eine regelmäßige Wartung die Lebensdauer der Produkte und kostenreiche Reparaturen können vermieden werden, neben der Vorschrift einer regelmäßigen Wartung bei kraftbetätigten Türen und Toren ein wichtiger Punkt.

metallbau: Welche Komponenten aus Ihrem Portfolio sind typische Nachrüstkomponenten?

Wellerdiek: Wir haben drei häufige Sachverhalte, die wir regelmäßig für unsere Kunden erledigen dürfen: Nachrüstung von Bodendichtungen, um Türen als RS-Elemente zu ertüchtigen, Abnahme von Elementen mit Einbauteilen, für die unsere Kunden im Einzelfall nicht ausgebildet oder zertifiziert sind, Unterstützung allgemein aufgrund von Kapazitätsengpässen oder zu langen Anfahrten.

metallbau: Wie ist der Trend bei Wartungsverträgen – zu welchem Anteil werden diese beim Einbau abgeschlossen?

Bauer: Zumeist werden Wartungen erst nach dem ersten Jahr nach der Montage beauftragt. Dass der Wartungsvertrag nicht bei der Inbetriebnahme abgeschlossen wird, liegt häufig daran, dass der Bauträger nicht unbedingt der Gebäudebetreiber ist, der für die Wartung der kraftbetriebenen Türen und Tore gesetzlich verantwortlich ist.

metallbau: Nach wie vielen Jahren muss gewöhnlich ein heutiges Industriesektionaltor erneuert werden?

Wellerdiek: Das liegt klar daran, wie die Elemente genutzt und wie regelmäßig sie fachgerecht gewartet werden. Türen sind auf 100.000 Zyklen geprüft, Tore auf 50.000 Zyklen; in der Regel halten unsere Produkte aber auch deutlich länger, wenn sie entsprechend gepflegt und gewartet werden. Verschleißteile wie Seile und Federn müssen viel eher je nach Ausführung ausgetauscht werden. Zusammenfassend kann man sagen, gut gepflegte Produkte können 20 bis 30 Jahre genutzt werden, ohne dass ein Austausch notwendig wird.

Bauer: Und auch unter Toren gibt es bei besonders guter Pflege wie beim Auto „Oldtimer“, die immer noch zuverlässig funktionieren.

metallbau: Wie wird Ihr Vertragsservice angenommen, dass Teckentrup die Türen direkt an die Einbaustelle transportiert? 

Bauer: Wir haben jede Woche Anfragen zu diesem Servicce. Da Teckentrup dabei nur eine Vermittlerrolle einnimmt und die Abwicklung direkt mit unserem Dienstleister erfolgt, laufen die Folgeaufträge direkt über diesen. Die Nachfrage ist aber weiter hoch. In Zeiten des demografischen Wandels und der fehlenden Montagekapazitäten wird das Thema immer wichtiger und oft diskutiert.

www.teckentrup.biz

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